Nachrichten des Presseclubs

Die Erde gleicht einer Kartoffel

ESA Die Presseclubs aus Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt besuchen die europäische Raumfahrtorganisation

„Die Erde ist keine Scheibe, sie ist keine Kugel, sie gleicht eher einer Kartoffel“. Mit dieser Feststellung überraschte der Leiter des europäischen Raumfahrtkontrollzentrums ESA in Darmstadt, Rolf Densing am Freitagabend die Besucher der Presseclubs Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt.
„Bei uns erwachen die Weltraummissionen zum Leben“, sagte Densing, denn von Darmstadt aus werden nach einem erfolgreichen Start und der Abkopplung der Trägerrakete die Satelliten eingeschaltet und dann oft jahrelang gesteuert und überwacht.
Die Aufgabe der Satelliten ist vielfältig. Sie überwachen die Erde und senden Daten zum Klimawandel, zur Luftverschmutzung oder zum Meeresspiegel, der momentan um 3,1 Millimeter pro Jahr ansteigt. So genau können Satelliten die Folgen des Klimawandels berechnen. Dass die jüngste Marsmission nicht ganz so verlaufen ist, wie die ESA-Techniker sich das gewünscht haben, ist für Densing kein Problem. 2020 werde ein Rover auf den Mars geschickt, der sich mit dicken Rädern auf der Oberfläche bewegen und in bis zu zwei Meter tiefe bohren und Proben entnehmen kann. Die Marsmission geht weiter.
Für die ESA-Techniker hat das Weltall auch gefährliche Seiten. Es sind die Kometen und der Weltraumschrott, die den Satelliten und Raumstationen oftmals gefährlich nahe kommen. Deshalb fordert Densing: “Wir müssen genau erfassen, was sich rund um die Erde bewegt“.5.100 Teile größer als einen Meter sind bei der ESA bereits registriert.
Die Zahl der Satelliten könnte in naher Zukunft deutlich steigen, denn auch die Industrie forscht nach Möglichkeiten, Satelliten im All zu platzieren. Bereits bei der nächsten Ministerkonferenz der ESA noch in diesem Jahr soll beantragt werden, die Zahl der Satelliten, die neu ins All geschossen werden, weltweit zu regulieren.
Das scheint geboten, denn laut ESA-Generaldirektor Jan Wörner sind 70 Staaten weltweit Raumfahrtnationen. Der Wissensdurst der Forscher weltweit ist groß. „Wir haben95 % des Weltalls noch nicht verstanden“, gibt Wörner zu. „Deshalb müssen wir neugierig sein bis zum letzten Atemzug“.
Der ESA-Generaldirektor wirbt für die zahlreichen Möglichkeiten der Satellitenbeobachtung. Satelliten können Migrationsbewegungen ebenso beobachten wie große Flüchtlingslager oder Migranten, die mit Schiffen auf dem Meer unterwegs seien.
Ulf Merbold hat drei Weltraummissionen hinter sich. Er war als erster ESA-Astronaut sowohl im Spacelab der Amerikaner als auch in der russischen Raumstation MIR und betonte die Internationalität der Raumfahrt. Die Zusammenarbeit im Orbit funktioniert auch in weltweiten Krisen problemlos.
Merbold war zwischen zehn und 32 Tagen im All. Missionen über mehrere Monate waren damals wegen der eingeschränkten Versorgungsmöglichkeiten der Raumstationen noch kaum möglich.
Ulf Merbold hat 26 Jahre für die ESA gearbeitet. „Hier sind die durchgeknalltesten Typen unterwegs“ skizziert er die aus vielen Nationen zusammengewürfelte Belegschaft die eins eint: den Geheimnissen des Weltalls auf die Spur zu kommen.
Merbold ist sicher: „Wie werden im 21. Jahrhundert auf dem Mars landen und vorher auf dem Mond eine feste Station bauen.“

(Artikel von Hans-Dieter Erlenbach , Darmstädter Echo 04. November 2016)

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