Preisträger 2008

Frank W. Methlow mit Journalistenpreis "Der Niebergall" ausgezeichnet

Preisträger Frank W. Methlow
Preisträger Frank W. Methlow

Der Darmstädter Journalist Frank W. Methlow, der der Lokalredaktion der "Frankfurter Rundschau" angehört, hat den Darmstädter Journalistenpreis "Der Niebergall" 2008 erhalten. Der Preis, der alle zwei Jahre vom Presseclub Darmstadt vergeben wird, wurde Methlow bei einer Feier am 24. Oktober 2008 in den Räumen der Heag Südhessische Energie AG überreicht. Verbunden ist der Preis mit einer Prämie von 2500 Euro, erstmals wurde zudem eine von den Darmstädter Bildhauer Thomas Duttenhoefer im Auftrag des Presseclubs geschaffene Niebergall-Bronze überreicht.

Methlow wurde für die im Lokalteil der Rundschau erschienene Serie "Good Bye GIs" ausgezeichnet. Diese war im Sommer des Jahres in elf Folgen erschienen und hat sich mit dem Abzug der US-Streitkräfte aus Darmstadt und mit der über sechzigjährigen Geschichte der Präsenz der US-Army in der Stadt beschäftigt. Methlow hat die Serie federführend betreut und war dabei durch einzelne Beizträge anderer Redaktionsmitglieder unterstützt worden.

Oberbürgermeister Walter Hoffmann würdige  Methlows feinfühligen Blick in die Stadtgeschichte, mit dem er neue Aspekte des Zusammenlebens von US-Soldaten und einheimischen Bürgern aufgezeigt habe. "Sie haben mit dieser herausragenden Serien den Preis verdient," sagte Hoffmann zu dem Preisträger. In seiner Laudatio auf den Preisträger unterstrich Presseclubs Vorsitzender Peter Zitzmann diese Sichtweise. Er lobte vor allen die Porträts von Einzelpersonen, die durch ihre Summe ein buntes Kaleidoskop der deutsch-amerikanischen Beziehungen in Darmstadt gezeigt habe. Außerdem hob er die gelungene Darstellung geschichtlicher Ereignisse in diesem Beziehungen hervor. In der von Zitzmann verlesenen Preisurkunde heißt es, die Leser der Serie könnten die Präsenz der US-Streitkräfte in der Stadt besser neu und bewerten.

Der ehemalige Darmstädter Oberbürgermeister Peter Benz, der der Jury des Preises angehört, gab als Kenner der Darmstädter Literaturszene und ihrer Geschichte einen Blick frei auf die historische Gestalt des Namensgebers. Erst Elias Niebergall, der nur 28 Jahre alt wurde, hatte zeit seines von einer tristen Kindheit materiellem Mangel geprägten Lebens mit Literarischen Erzeugnissen seine Lebenssituation zu verbessern gesucht. Bekanntheit über Darmstadt hinaus hat ihm vor allem das mundartliche Lustspiel "Datterich" eingebracht - allerdings erst posthum. Benz schilderte, wie rar die verbürgten Quellen über die Person Niebergalls und sein Leben seien, als "blass und schmal" von Gestallt wurde er geschildert, ein verbürgtes Porträt von ihm gibt es nicht, nur eine Totenmaske wird ihm zugeschrieben.

Die Niebergall-Figur, die Thomas Duttenhöfer als Bronze geschaffen hat, entspricht dieser Schilderung. Es ist eine schmale Gestalt mit biedermeierlicher Erscheinung eines langen wehenden Mantels, einer großen Halsschleife und einem Zylinder auf dem Kopf. In der einen Hand hält sie eine Feder vor der Brust. Duttenhöfer, der vor allem für seine Köpfe und Figuren bekannter Persönlichkeiten bekannt ist, lehnt sich in der Physiognomie der Gestalt an die fragliche Totenmaske an. Die Plastik erhält durch das Vorwärtsdrängen der Gestallt, den wehenden Mantel und dem nach vorn strebenden Kopf eine starke Dynamik.

Wie sehr das Metier von Journalisten von der Persönlichkeit abhängt, stellte der Berliner Medienpädagoge Anton Austermann heraus. Austermann, der an der Universität der Künste Berlin lehrt, nahm dabei Bezug auf den wohl berühmtesten Darmstädter Journalisten Georg Hensel, außerdem auf den prominenten Münchner Reporter Herbert Riehl-Heyse. Journalisten seien zwar keine Dichter (wie Niebergall), aber jeder journalistische Autor habe seine Autoren-Subjektivität. "Erst eine Autorengruppe macht den Geschmack, die Stimmung, die Farbigkeit, die Perspektivik, Zuversicht und Hoffnung eines journalistischen Produkts aus, so dass der Leser sich in den Farben und Klängen mitschwingend wiederfindet", sagte Austermann. (Eine Dokumentation der Festrede finden Sie unter dem Link "Festansprache Austermann").

Frank Methlow danke sichtlich gerührt für die Auszeichnung und schilderte in seiner Danksagung die wachsenden Erschwernisse der journalistischen Arbeit in Lokalredaktionen, an denen immer zuerst gespart werde. Ohne das gesamte Team der "Rundschau"-Redaktion sei die prämierte Serie gar nicht möglich gewesen, sagte Methlow. Daher soll die Niebergall-Bronze auch ihren Platz in den Redaktionsräumen der "Rundschau"-Redaktion erhalten.