Nachrichten des Presseclubs

Mainzer Neuerungen für Darmstadt

2015

Chefredakteur Lars Oliver Hennemann

Fotos: mas-foto@t-online.de

Die Redaktion des „Darmstädter Echos“ wird seit etlichen Wochen gründlich umgekrempelt. Nachdem das Blatt von der Verlagsgruppe Rhein Main (VRM) in Mainz übernommen worden ist, wird auch hier das sogenannte Desk-System eingeführt, das der bisherigen Organisation der Redaktion nach Ressorts und damit nach der inhaltlichen Arbeit ein Ende bereitet. Noch ist dieser Vorgang nicht vollständig abgeschlossen, wie der seit August in Darmstadt von der Mainzer Verlagsspitze installierte neue Chefredakteur Lars Oliver Hennemann am 26. Oktober 2015 im Darmstädter Presseclub berichtete. Hennemann ist in seinem Beruf ein Mainzer Gewächs: Als Student der Publizistik schrieb er zunächst für die Mainzer Ausgabe der „Rhein-Zeitung“, die es heute in Mainz nicht mehr gibt. Ende  der neunziger Jahre volontierte er dann bei der „Allgemeinen Zeitung“, dem Flaggschiff der VRM, war Leiter der landespolitischen Redaktion, Redaktionsleiter der „Main-Spitze“ in Rüsselsheim und stellvertretende Chefredakteur beim ebenfalls zur VRM gehörenden „Wiesbadener Kurier“ und der „Allgemeinen Zeitung“.
Nun ist er also  Redaktionschef des „Darmstädter Echos“. Er sei sehr gut aufgenommen worden, berichtete Hennemann, was nicht selbstverständlich sei, brachte er doch tiefgreifende Umwälzungen mit, vom bereits zuvor eingeleiteten Verlust der Unabhängigkeit, dem Verlust der Mantelredaktion und zahlreicher Redaktionsstellen ganz zu schweigen. Das Desk-System, bei dem die Ressorts die Inhalte zuliefern, die dann zentral redigiert und ins Blatt eingeplant werden, mache Schluss mit der ganzheitlichen Rolle des Redakteurs, der recherchiere, schreibe, plane und den elektronischen Umbruch zu besorgen habe. Die Redaktionen erhielten durch das neue System mehr Freiräume, versicherte Hennemann; er räumte aber auch ein, dass der journalistische Wille der einzelnen Ressorts nun durch einen redaktionellen Filter laufe, was zu Konflikten führen könne. Um solche Konflikte zu lösen, sei er dann da, meinte er.
Dass die Einführung dieser neuen Organisation noch nicht abgeschlossen sei, liege daran, dass man dies bis nach dem Umzug in neue Redaktionsräume im ehemaligen Wella-Gebäudes an der Berliner Allee aufschiebe. Danach sollen die begonnenen Veränderungen abgeschlossen werden. Hennemann kündigte für das kommende und das folgende Jahr weitere organisatorische und inhaltliche Neuerungen beim „Darmstädter Echo“ an. Unter anderem will man demnächst mit einer systematischen Leserforschung beginnen, deren Ergebnisse im Inhalt der Zeitung ihren Niederschlag finden dürften. Auch die Blattstruktur ist noch nicht endgültig. Auch solle das „Darmstädter Echo“ durch öffentliche Veranstaltungen wieder mehr in der Stadtgesellschaft wahrgenommen werden. Die Zusammenarbeit mit der Zentrale in Mainz, in der die überregionalen Zeitungsinhalte erstellt und für die einzelnen Kopfblätter der VRM zusammengestellt werden, bezeichnete er als reibungslos. Ein wenig euphorisch klang sein Bekenntnis, mit Mainz, Wiesbaden und nun auch Darmstadt wachse  über Ländergrenzen ein harmonisches publizistisches Ganzes zusammen. ziz