Nachrichten des Presseclubs

Subjektive Sichten auf die Zeitungskrise

2015

Podiumsdiskussion

Großes Interesse an der Podiumsdiskussion über die Entwicklung des „Darmstädter Echos“ in der gut besetzten Darmstädter Kunsthalle. mas-Foto

Ein Podium von Politikern, Managern und Kreativen nahm bei der Diskussionsveranstaltung über die „Zeitung in der Krise“ die Entwicklung und den beabsichtigten Verkauf des „Darmstädter Echos“ in den Blick. Die Journalistengewerkschaften DJV und DJU hatten zusammen mit dem Presseclub am 28. April 2015 in die Darmstädter Kunsthalle geladen, und das Interesse war groß: gut130 Besucher fanden nur knapp Sitzplätze im Saal, das von hinten nur schwer auszumachende Podium bestand aus dem Darmstädter Oberbürgermeister Jochen Partsch, dem Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes, dem SV-98-Präsidenten Rüdiger Fritsch, der Vorsitzenden des Architektursommers Rhein-Main, Kerstin Schulz, und dem Schauspieldirektor Jonas Zipf. Paul-Herrmann Gruner, „Echo“-Journalist und Autor, moderierte die Diskussion gewandt und setzte gezielt seine Schwerpunkte.

Das änderte wenig daran, dass die Debatte sich mehr im Feld von Betroffenheit und Bestürzung über den Verkauf der „Echo“-Zeitungen an die Mainzer Verlagsgruppe Rhein-Main bewegte als dass man konkret auf wirtschaftliche oder redaktionelle Ursachenforschung für den einschneidenden Schritt des Verlegers Hans-Peter Bach gegangen wäre, die Echo-Zeitungen zu veräußern. Wie überhaupt eine Außensicht auf die Zeitungswelt vorherrschte, Fach- und Sachkenntnisse von Medienexperten keine Rolle spielten. So berichtete Partsch vom „Schock“, den er verspürt habe, als klar wurde, dass Darmstadt künftig keinen eigenen lokalen Zeitungsverlag mehr haben solle und das „notwendige Korrektiv“ der Stadtpolitik und ein „Teil der Demokratie“ verlorengehe: „Wir haben die Befürchtung, niemanden mehr zu haben, der reagiert, kommentiert und einordnet“, sagte Partsch, der zudem heftig bedauerte, dass das „Echo“ selbst keine ausreichende Öffentlichkeit über die Entwicklungen hergestellt habe. Wilkes sparte nicht mit Vorwürfen gegenüber dem Zeitungsverlag; es sei unverständlich, wie dieser in einem wirtschaftlich so prosperierenden Gebiet zwischen Rhein-Main und Rhein-Neckar sich zu einem Verkauf gezwungen sehe. Viele Verlage verdienten gutes Geld , so Wilkes, und das Interesse an lokalen Themen sei groß. Er fragte auch, warum es an kreativen unternehmerischen und verlegerischen Ideen mangele und wusste die Antwort: Der vor Jahren verstorbene Altverleger Max Bach hätte eine solche Entscheidung nicht getroffen, meinte er. Das sei eine „Frage von Emotionalität und Mentalität“ sagte Wilkes in Richtung des im Saal anwesenden Hans-Peter Bach.
Jonas Zipf, der den „Echo“-Verkauf mit dem Urteil „Bankrotterklärung“ belegte, wollte den Vorgang nicht auf den wirtschaftlichen Vorgang reduziert wissen, sondern legte Wert auf den Aspekt der Zeitung als „Kulturgut“. Er brachte den Gedanken einer Stiftung als Träger von Lokalzeitungen ins Gespräch, stieß damit aber vor allem bei den Kommunalpolitikern auf Skepsis, weil damit die journalistische Unabhängigkeit verloren gehen könne.

Kerstin  Schulz nahm die Klage über den drohenden Verlust eines demokratischen Korrektivs in der Bürgergesellschaft auf und beklagte vor allem, dass es für die Bürger  schwerer werde, sich einzumischen. Sie regte vergeblich an, man möge doch mehr über die Inhalte der Zeitung reden und welches Profil das „Darmstädter Echo“ künftig haben könne. Einzig Rüdiger Fritsch von den Darmstädter „Lilien“ zeigte sich eher ungerührt von der Entwicklung auf dem Darmstädter Zeitungsmarkt. Sein Verein habe vor allem am Wochenende mit der Redaktion zu tun und das werde wohl so bleiben, meinte er. Im Übrigen läsen seine beiden Söhne längst keine Zeitung mehr und seien über das Internet bestens informiert.
Zu kurz kam in der Diskussion, dass die Lokalausgaben des „Darmstädter Echo“ auch weiterhin bestehen sollen, allerdings mit einem redaktionellen Mantelteil aus Mainz. Und die Frage, in welcher Weise sich dieses zukünftige „Darmstädter Echo“ inhaltlich und in der Anmutung wohl verändern werde.